Rechtsurteil – Dürfen Vogelvolieren den Nachbarn nerven?

Aras im KäfigEine Vogelvoliere (mehr Informationen) ist ein tolles Hobby und die bunten Federn der Vögel im Käfig sind auch toll anzusehen. Allerdings können die Nachbarn unter dem ständigen Gekreische der Vögel auch mächtig leiden. Natürlich machen die tollen Tiere Geräusche, dies liegt in der Natur von Vögeln, denn diese sind majestätische Tiere. Durch den Vogelgesang kommunizieren sie miteinander und sprechen. Deshalb ist es in einem Vogelkäfig selten mucksmäuschenstill.

Allerdings ist es so, dass man nicht alles als Nachbar tragen muss. Dies ist auch im BGB geregelt und es gibt Gesetze, die die Beeinträchtigung definieren. Nach § 906 Abs. 1 BGB i.V.m. § 1004 BGB ist geregelt, dass die Vogelvoliere und die Geräusche der Vögel die Benutzung des Grundstücks der Nachbarn nicht derart negativ beeinflussen dürfen, dass das Grundstück nicht mehr nutzbar ist. Geregelt sind hier im gleichen Atemzug auch entsprechende Geräuschrichtwerte, die genau definieren, wie laut die Vögel im Praxisfall zwitschern dürfen.

Kann man vor Gericht etwas erstreiten?

Es gibt verschiedene Gerichtssprechungen, die besagen, dass vor allem Mieter in Neubaugebieten, die dicht an dicht wohnen, die Möglichkeit haben, bei invidiueller Problematik der Lebenssituation, gegen dies gerichtlich vorzugehen. Ein Präzedenzfall ergab folgendes:
Das Oberlandesgericht Hamburg ( 5 U 85/76) hat entschieden, dass beispielsweise das Permanente Schreien von Vögeln, in dem Fall waren die Vögel Sittiche, definitiv zu weit geht. Hier ging es in diesem Beispiel dann tatsächlich sogar so weit, dass der Richter einen Unterlassungsanspruch der belästigten Mieter feststellte und somit die Anzeige wirksam war.

Dennoch ist es bei jedem einzelnen Fall immer unterschiedlich, wie die sogenannte „Lästigkeit“ für die Mieter nun in der Praxis wirklich ist. Was für den einen Menschen schon an Lässigkeit kaum zu überbieten ist, ist in der Praxis teilweise eine ganz normale Geräuschkulisse, wie sie in einem Vorort in Deutschland ortstypisch vorzufinden ist. Es ist folglich immer eine Ermessensfrage nach der Lässigkeit des Vogellärms, der immer unterschiedlich ist.

Was können Vogelhalter tun?

Vogelhalter sollten darauf achten, die Voliere nicht in unmittelbarer Nähe zu halten, wo der Lärm für beispielsweise Anwohner störend wirkt. Deswegen als erster Tipp: Der Vogelhalter sollte den Käfig oder die Voliere dort hinstellen, wo der Lärm am wenigsten stört und so weit weg wie möglich von den Nachbarn, die ggf. von dem Lärm gestört werden könnten. Für solche Plätze eigenen sich Ecken gut, und diese sollte dann auch noch mit Eierschalen angelegt werden, da diese den Schall absorbieren. Wenn man außerdem versucht, die Vogelvoliere noch schalldicht abzutrennen, dann hat dies weiterhin den Vorteil, dass der Schall weniger gut nach außen dringen kann.